Stoffwindeln oder Wegwerfwindeln?

Abfallvermeidung, Ökobilanz, Kostenersparnis

Es gibt Gemeinden, die ihre Bürger/innen bei der Anschaffung von Stoffwindeln mit Beratung und einem Förderbetrag unterstützen. Es gibt auch Städte, die einen Reinigungsdienst für Stoffwindeln anbieten, das trifft vor allem auf deutsche Städte zu. Für diese öffentlichen Angebote gibt es gute Gründe.

Handhabung

Moderne Stoffwindeln haben mit den Windeln, die unsere Mütter und Großmütter verwendeten, nichts zu tun. Sie sind beim Wickeln ebenso einfach und schnell zu handhaben wie Wegwerfwindeln. Sie lassen sich mit Klettverschluss sauber verschließen. Feste Inhalte werden mit Hilfe eines dünnen Zellstofftuches in der Toilette entsorgt.

(c) www.wickelexperten.at

Die Stoffwindel „hält“ gleich lang dicht wie eine Weg­werfwindel, es sollte also etwa alle vier Stunden gewickelt werden sowie bei Bedarf. Die Baum­wolle ist hautfreundlich und weicher als Weg­werfwindeln. Unpassende Waschmittel oder Weichspüler können jedoch hautreizend wirken. Natürlich müssen Stoffwindeln gewaschen werden, das verursacht Arbeit, braucht Energie und Wasser.

Vorteile der Stoffwindel für die Gemeinde

Bis ein Kind nicht mehr gewickelt wird, muss bei der Verwendung von Wegwerfwindeln durch­schnittlich eine Tonne Restabfall entsorgt werden. Das kostet in Vorarlberg 126,- Euro. Die Eltern bezahlen dafür Müllgebühr – allerdings  werden neben der Grundgebühr die Liter ver­rechnet (40l-Säcke), nicht die Kilogramm.  Windelgefüllte Abfallsäcken bringen unverhältnis­mäßig mehr Kilo auf die Waage als ein durch­schnitt­licher Müllsack. Das Miss­verhältnis belastet die Gemeinde.
Die Eltern kommen mit ihrer Zuteilung an Müll­säcken dennoch nicht aus und müssen Säcke zukaufen.

Werden diese Abfälle vermieden, bringt das der Gemeinde E5-Punkte. Abfallvermeidung ist Teil des E5-Programms. Auch die Ausschüttung an Förderungen an die Bevölkerung bringt in diesem Programm Punkte.

Die Gemeinde kann jungen Eltern ein zusätzliches Angebot machen und dabei zur Bewusst­seins­bildung in Sachen Umwelt beitragen.

Mögliche Gestaltung einer Förderung

Die Förderung kann so gestaltet werden, dass der Ankauf von Stoffwindeln mit einem bestimmten Betrag unterstützt wird (z.B. 50,- Euro). Bis nahe zum Preis der Tonne Restabfall (126,- Euro) ist die Förderung für die Gemeinde vorteilhaft oder kosten­neutral.

Die Förderung kann aber auch als Beratung oder zumindest als Information zum Thema Stoffwindeln gestaltet sein, die im Rahmen der Elternberatung stattfindet. Diese kann in Form eines Infoblattes erfolgen oder als Beratungsgespräch auf Wunsch von Eltern. Dafür sind Zeitressourcen zu veranschlagen. Es kann jedoch auch auf die Beratungsleistung des Handels verwiesen werden (z.B. https://www.wickelexperten.at/ in Hohenems).

Zur Ökobilanz von Wegwerfwindeln und Stoffwindeln

Eine sehr genaue, umfassende, aber schon länger zurück liegende Untersuchung aus Großbritannien (2005/2008) kommt zum Schluss, dass die Ökobilanz beider Windeltypen ähnlich ist, wenn die Kinder gleich lang (2,5 Jahre) gewickelt werden: Die Wegwerfwindeln entsprechen 550 kg CO2-Äquivalent, die Stoffwindeln 570 kg CO2-Äquivalent. Mit Stoff­windeln gewickelte Kinder lassen in der Tendenz jedoch die Windeln früher hinter sich, weil die Feuchtigkeit der Stoffwindel spürbarer ist. Dass sie für die Babyhaut dennoch gut verträglich sind, liegt auch daran, dass weniger Ammoniak im Windelpaket verbleibt.

Schon die Verwendung einer effizienten Waschmaschine spart 9% bzw. 50 kg  CO2-Äquivalent. Waschen mit 60° statt mit 90° spart 31% oder 177 kg  CO2-Äquivalent. Ob Trocknen an der Luft oder im Trockner – auch da lässt sich viel CO2 einsparen. Tatsächlich hängt die Ökobilanz also stark von der Handhabung der Stoffwindeln durch die Eltern ab. Sowohl Kosten- als auch Umweltbewusstsein führen zu einer besseren Ökobilanz der Stoffwindel. Da es wenig andere Gründe gibt für die Verwendung von Stoffwindeln gibt als Kosten oder Abfall zu vermeiden, ist davon auszugehen, dass die Handhabung so erfolgt, dass die Ökobilanz zugunsten der Stoffwindel ausfällt.

Kosten für die Eltern

Wegwerfwindeln kosten etwa 30 Euro pro Monat, das macht in 2,5 Jahren 900,- Euro. Mit Sonderangeboten und extra billigen Windeln mögen es vielleicht 100 bis 200 Euro weniger sein. Ein Windelsystem aus Stoffwindeln, das „mitwächst“, kostet etwa 250,- Euro, es gibt aber auch günstigere Systeme, die bei 120,- Euro liegen. Wer sich also die Anschaffungs­kosten leisten kann, fährt insgesamt günstiger, auch wenn die Kosten für Wasser, Strom und Waschmittel gerechnet werden.

Die Entscheidung für oder gegen Stoffwindeln sollte etwa zeitgleich mit der Geburt eines Kindes getroffen werden. Ein späterer Umstieg z.B. nach einem Jahr bringt weniger Vorteile. Siehe dazu Süddeutsche Zeitung 4.7.2016: Stoffwindeln im Test.

Wickelkinder in Betreuung

Die Verwendung von Stoffwindeln bei Kindern, die außerhäuslich betreut werden, kann ein Problem darstellen. In der Betreuung werden üblicherweise aus nachvollziehbaren Gründen Wegwerfwindeln verwendet. Die Frage der Betreuung sollte also mitgedacht werden bei einer Entscheidung für Stoffwindeln, auch wenn nur 17,6% der Kinder mit 2,5 Jahren noch Windeln tragen.

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