Handelt, Männer!

Männer beteiligen sich immer gern an Debatten über Schwangerschaftsabbruch, derzeit ist deren Finanzierung Thema von Zeitungskommentaren (z.B. Conrad Seidl und Hans Rauscher im Standard, 13. und 14./15. April). Wozu aber soll das gut sein?

Liebe Männer,

auf die Gefahr hin, mich jetzt in der Männerwelt unendlich unbeliebt zu machen: auf eure verbalen Beiträge zum Thema Schwangerschaftsabbruch können die Betroffenen und ich gut verzichten. Gefragt ist dafür aber euer Handeln!

Jedem Mann, der Schwangerschaftsabbrüche ablehnt, seien folgende schlichte Handlungsweisen empfohlen: benutzen Sie Präservative! Haben Sie das jedoch unterlassen, dann leisten Sie Ihren angemessenen Anteil an der Betreuung und Erziehung Ihrer Kinder!

Immer noch sind es in Österreich bekanntlich nur 2% aller Väter, in deren beruflicher Biografie sich die Übernahme von Kinderbetreuungsarbeit manifestiert, indem sie Karenzurlaub in Anspruch nehmen. Immer noch tragen die Frauen zum Großteil die Last der Verhütung. Denn es haben in der Realität nur diejenigen Paare "ihre Familienplanung im Griff" (wie Conrad Seidl im "Standard" so überheblich schreibt), die hormonell verhüten (von den wenigen Sterilisierungen einmal abgesehen) - und wer verleibt sich denn auf die eine oder andere Weise den Hormon-Cocktail ein? - wissend, dass zumindest östrogenhaltige Präparate zur Entstehung von Brustkrebs fördern?

Frauen können sich dann dafür entscheiden, (eine) Schwangerschaft(en) auszutragen und Kinder großzuziehen, wenn sie sich der Arbeitsteilung mit ihrem Partner gewiss sein können. Notwendig sind natürlich auch vielfältige Angebote der Kinderbetreuung durch Krippen, Tageseltern, Kindergärten, Ganztagsschulen, Au Pair, Verwandte etc. und eine steuerliche Berücksichtigung von Ausgaben für die Kinderbetreuung, die nicht nur gut Verdienenden etwas bringt.

Das (freundliche) Moralisieren über den Schwangerschaftsabbruch, ein Phänomen, das es seit Menschengedenken gibt und das es vermutlich immer geben wird, in Zeitungskommentaren, ist zwar weniger unsympathisch als das Treiben der so genannten Abtreibungsgegner/innen vor den Ambulatorien, doch es ist um nichts hilfreicher.

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