Guerillagardening oder Die Rückeroberung des öffentlichen Raums

Für die letzten 15 Jahre kann – erstaunlicherweise – eine Ausweitung des öffentlichen Raumes behauptet werden. Zum physischen ist nämlich der virtuelle Raum hinzugekommen.

Und der weist keineswegs nur private Bereiche auf. So wird zum Beispiel das Recht auf Versammlungsfreiheit zunehmend im virtuellen Raum wahrgenommen.
Gleichzeitig aber wiederum findet eine drastische Einschränkung des öffentlichen Raumes statt, weil dieser systematisch von wirtschaftlichen Prämissen abhängig gemacht und flächendeckend beobachtet und kontrolliert wird. Durch Videokameras bzw. durch Überwachungssoftware und Suchmaschinen.

Eine wirksame Strategie zur Rückeroberung des öffentlichen Raumes bleibt die Kulturarbeit. Kulturschaffende arbeiten seit jeher daran, private Räume öffentlich zugänglicher zu machen. Sie brauchen die Öffentlichkeit, sie schaffen sie, und sie therapieren Sicherheitshysterien.

Das wird aber nicht unbedingt von jenen erkannt und unterstützt, die für unser gemeinsames Wohl zuständig wären. Anstatt großzügig in Kunst und Kultur zu investieren, weil diese an der Erweiterung der Möglichkeiten arbeiten, mit anderen Menschen auf gleicher Augenhöhe und auf neutralem Boden zu kommunizieren, buttern die Regierungen unfassbare Summen in den Ausbau des Individualverkehrs. Dadurch sorgen sie für den Infarkt des öffentlichen Raumes.

In diesem Sinne ist es mehr als ein nur symbolischer Akt, wenn Menschen in ihrem Unbehagen und in ihrem Zorn über die Bevormundung ein Zeichen setzen: Blumen und Kräuter dort pflanzen, wo nicht nur das Auge von Bauschutt und Müll beleidigt wird. Buntheit in die urbane Ödnis bringen. Verloren geglaubte Räume zurückerobern. Kultivieren war immer schon mehr als die Reproduktion von Schöngeistigem.

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